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EARTH OVERSHOOT DAY 2026

Warum der 30. Juli ein Datum für die Wärmewirtschaft ist

von Martin Deiters, M.Eng., Armin Schmelzle, Dr. Richard Schieferdecker, Jonas Niemeyer

veröffentlicht: 30.07.2026, 15:38 Uhr

Lesezeit: ( Wörter: )

Der Earth Overshoot Day 2026 fällt auf den 30. Juli. Warum der Erdüberlastungstag besonders für Wärmewirtschaft, Gebäudesektor und Energiewende relevant ist.

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1. Das Wichtigste in Kürze

  • Der globale Earth Overshoot Day 2026 fällt auf Donnerstag, den 30. Juli. Die Menschheit nutzt die Natur derzeit 73 Prozent schneller als sich die Ökosysteme regenerieren1.
  • Das Datum liegt sechs Tage später als 2025. Dahinter steht überwiegend eine Datenrevision, nicht ein gesunkener Verbrauch. 2026 ist das Jahr mit dem höchsten je gemessenen Overshoot1.
  • Der deutsche Overshoot Day lag am 10. Mai, rechnerisch 2,8 Erden2. Der CO₂-Fußabdruck macht 61 Prozent des globalen ökologischen Fußabdrucks aus1, womit die Kennzahl in erster Linie ein Energiethema ist.
  • Wärme und Kälte verursachen mehr als die Hälfte des deutschen Endenergieverbrauchs4, der Anteil erneuerbarer Energien lag dort 2025 bei 19,0 Prozent6.
  • Die Emissionen des Gebäudesektors stiegen 2025 um 3,4 auf 103,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, während der deutsche Gesamtausstoß nahezu stagnierte7.

2. Wie das Datum zustande kommt

Der Earth Overshoot Day markiert den Tag, an dem die Menschheit rechnerisch alle biologischen Ressourcen verbraucht hat, die der Planet innerhalb eines Jahres erneuern kann. Die Rechnung ist einfach: Biokapazität der Erde geteilt durch den ökologischen Fußabdruck der Menschheit, multipliziert mit der Zahl der Tage im Jahr. Grundlage sind die National Footprint and Biocapacity Accounts in der Ausgabe 2026, erstellt von der York University für die Footprint Data Foundation, mit rund 15.000 Datenpunkten pro Land und Jahr1.

Möglich ist diese Übernutzung, weil sich Naturkapital abbauen lässt. Sichtbar wird der Abbau in Entwaldung, Bodenerosion, dem Verlust biologischer Vielfalt und der Anhäufung von CO₂ in der Atmosphäre, was häufigere Extremwetterereignisse und sinkende Nahrungsmittelerträge nach sich zieht. Seit Beginn des globalen Overshoots Anfang der 1970er Jahre hat sich eine kumulierte ökologische Schuld von 20,6 Jahresproduktionen der Erde aufgebaut. Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre stieg im selben Zeitraum von 367 auf 547 ppm CO₂-Äquivalent. Selbst bei sofortigem Stopp jeder weiteren Schädigung stünden damit gut zwanzig Jahre ökologische Regeneration aus1.

3. Warum das spätere Datum kein Fortschritt ist

Aufschlussreich an der diesjährigen Veröffentlichung ist weniger das Datum als seine Aufschlüsselung. Das Global Footprint Network weist beide Effekte getrennt aus: Datenrevisionen verschieben den Tag um acht Tage nach hinten, ausschlaggebend war eine Korrektur nach oben bei der Kohlenstoffaufnahme der Ozeane. Die tatsächliche Entwicklung von Verbrauch und Biokapazität verschiebt ihn um zwei Tage nach vorn. Netto bleiben sechs Tage später als 2025. Der Abstand zwischen Fußabdruck und Biokapazität ist im selben Zeitraum gewachsen1. Wer die Schlagzeile ohne diesen getrennten Ausweis übernimmt, meldet eine Verbesserung, die es nicht gegeben hat.

Diagramm: Acht Tage spätere Lage durch Datenrevision, zwei Tage frühere Lage durch reale Entwicklung, netto sechs Tage später.
Von den sechs Tagen Verschiebung geht keiner auf einen gesunkenen Verbrauch zurück.

Auf Länderebene fällt der Effekt noch stärker aus. Für Deutschland weist das Global Footprint Network sieben Tage aus, die auf die veränderte Datengrundlage zurückgehen, und einen Tag, der auf verändertem Konsum beruht. Von der Verschiebung auf den 10. Mai bleibt damit rund ein Tag reale Bewegung. Zum Vergleich: Der Overshoot Day der EU-27 lag 2026 am 3. Mai, der von Frankreich am 24. April, der der Schweiz am 11. Mai2.

4. Die Kennzahl ist zu 61 Prozent eine Energiekennzahl

Der ökologische Fußabdruck addiert konkurrierende Flächenansprüche: Nahrung, Holz, Fasern, Infrastruktur und die Fläche, die zur Bindung der CO₂-Emissionen aus fossilen Brennstoffen nötig wäre. Dieser CO₂-Anteil macht aktuell 61 Prozent des gesamten Fußabdrucks aus1. Aus einer ökologischen Bilanzgröße wird damit eine energiewirtschaftliche.

Das Global Footprint Network beziffert die Wirkung einzelner Maßnahmen in Tagen. Eine Halbierung der CO₂-Emissionen aus fossilen Brennstoffen würde den Earth Overshoot Day um drei Monate nach hinten schieben1. Der Austausch fossiler Heizkessel durch elektrische Wärmepumpen in den kühleren Regionen der Welt bringt für sich genommen zwei Tage. Das wird erst im Maßstab interessant: Verschöbe sich das Datum jedes Jahr um sechs Tage, wäre die Menschheit vor 2050 rechnerisch aus dem Overshoot heraus3.

5. Der Gebäudesektor ist der Sektor, der nicht liefert

In Deutschland führt der Weg über die Wärme. Nach Daten des Umweltbundesamtes entfällt auf Wärme und Kälte gut die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs. Raumwärme steht sektorübergreifend für rund 27 Prozent, Prozesswärme für rund 20 Prozent. In privaten Haushalten gehen fast 90 Prozent der Endenergie in Wärmeanwendungen, in der Industrie hat Prozesswärme einen Anteil von über 60 Prozent4. Der gebäuderelevante Endenergieverbrauch sank zwischen 2008 und 2024 um 20,2 Prozent auf 792 Terawattstunden und entspricht damit weiterhin 35,2 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs5.

Die Emissionsbilanz zeigt, wohin das führt. Deutschland emittierte 2025 rund 648,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente und blieb damit um 12,8 Millionen Tonnen unter der zulässigen Jahresemissionsgesamtmenge. Der Gebäudesektor entwickelte sich gegenläufig: Seine Emissionen stiegen um 3,4 Millionen Tonnen auf 103,4 Millionen Tonnen, was das Umweltbundesamt wesentlich auf die kühlere Heizperiode zurückführt7.

Grafik zeigt CO2-Emissionen im Gebäudesektor 2025 im Vergleich zu 2024.
Der Gebäudesektor trägt 103,4 Mio. t CO2-Äquivalente bei, 3,4 Mio. mehr als 2024, laut Umweltbundesamt.

Seit der Novelle des Klimaschutzgesetzes von 2024 gibt es keine verbindlichen Jahresziele je Sektor mehr, gesteuert wird über eine sektorübergreifende und mehrjährige Gesamtrechnung17. Der Spielraum darin schrumpft. Für den Zeitraum 2021 bis 2030 verbleiben rechnerisch noch 3,8 Millionen Tonnen Übererfüllung, nach einem Puffer von rund 81 Millionen Tonnen in der Vorjahresprojektion. Gegenüber der EU-Klimaschutzverordnung wächst die kumulierte Lücke bis 2030 auf 255 Millionen Tonnen. Das Umweltbundesamt nennt Investitionen, die Gebäude und Verkehr von fossilen Energien lösen, deshalb besonders dringend, auch um den Ankauf von Zertifikaten aus anderen Mitgliedstaaten zu vermeiden7.

Die Witterung erklärt allerdings nur den Ausschlag, nicht den Trend. Der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte lag 2025 bei 19,0 Prozent, nach 18,2 Prozent im Vorjahr. Biomasse blieb mit knapp 84 Prozent die wichtigste erneuerbare Wärmequelle, Wärmepumpen legten um 18 Prozent zu. Der Umstieg bleibt hinter dem Zielpfad des Nationalen Energie- und Klimaplans zurück6. Für die Overshoot-Rechnung bedeutet das: Der größte Einzelposten des deutschen Verbrauchs bewegt sich am langsamsten, und er bewegt sich derzeit in die falsche Richtung.

6. Der neue Rechtsrahmen und seine offene Klimawirkung

Einen Tag vor dem Earth Overshoot Day tritt das Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft. Verkündet wurde es am 28. Juli 2026, Artikel 1 gilt ab dem 29. Juli9. Die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien ist ersatzlos gestrichen, der neue § 42 listet zehn gleichrangige Optionen für den Heizungsersatz auf, darunter Gas-, Heizöl- und Flüssiggasheizungen. Auch die Kopplung an die kommunale Wärmeplanung entfällt: Eine Ausweisungsentscheidung für ein Wärmenetzgebiet löst keine Heizungspflicht mehr aus9. An die Stelle der Quote tritt eine Mengenpflicht. Wer nach dem 29. Juli 2026 eine Gas-, Heizöl- oder Flüssiggasheizung neu in ein bestehendes Gebäude einbaut, muss einen steigenden Anteil der Wärme aus Biomethan, Bioöl, biogenem Flüssiggas oder Wasserstoff bereitstellen9:

Grafik zeigt den Rückgang der 65-Prozent-Pflicht bei Brennstoffen.
Die Biotreppe senkt die Pflicht auf 65 Prozent bei biogenen und wasserstoffbasierten Brennstoffen bis 2024.

Das Gesetz greift für alle Anlagen ab dem 30. Juli 2026, also ab dem Tag des diesjährigen Earth Overshoot Day. Allerdings besteht vor 2029 besteht keine Beimischungspflicht. Wer ab dem 30. Juli 2026 eine neue Gas- oder Ölheizung einbaut, fällt lediglich in den Anwendungsbereich der künftigen Biotreppe – er muss ab 2029 die erste Stufe (10 %) erfüllen, hat aber bis dahin keine quantitative Pflicht. Weitere Anforderungen wirken zeitversetzt: eine gestufte Photovoltaikpflicht ab 2027, Renovierungsanforderungen für bestehende Nichtwohngebäude ab 2030 und der Nullemissionsstandard für alle Neubauten ab 20309.

Wie sich das auf die Emissionskurve auswirkt, ist offen. Die aktuellen Projektionsdaten des Umweltbundesamtes beruhen auf dem Informationsstand von November 2025 und berücksichtigen das Gebäudemodernisierungsgesetz ausdrücklich noch nicht8. Sie weisen für 2030 eine Minderung um 62,6 Prozent gegenüber 1990 aus, gegenüber einem gesetzlichen Ziel von 65 Prozent7. Eine belastbare Bewertung der Klimawirkung des neuen Rechtsrahmens steht damit aus. Das Wärmeplanungsgesetz bleibt davon unberührt in Kraft. Städte über 100.000 Einwohner mussten ihren Wärmeplan bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, kleinere Kommunen haben bis 2028 Zeit; Anfang Mai hatten rund 56 Prozent der Großstädte ihre Pläne eingereicht11. Der Wärmeplan verliert seine Zwangswirkung und behält seine Funktion als Investitionsgrundlage.

7. Wärmepumpe: die Technologie mit der belegten Minderungswirkung

Der Austausch eines Gaskessels gegen eine Wärmepumpe senkt die Heizemissionen um mehr als 45 Prozent, in milden Klimazonen liefert eine Wärmepumpe rund vier Einheiten Wärme je Einheit Strom. Weltweit decken Wärmepumpen laut Internationaler Energieagentur bisher fünf Prozent des Wärmebedarfs von Gebäuden3. Der Ausbauspielraum ist also erheblich.

In Deutschland hat die Wärmepumpe 2025 die Gasheizung als meistverkaufte Heizungsart überholt. 299.000 Geräte wurden abgesetzt, 55 Prozent mehr als im Vorjahr7. Nach dem Einbruch 2024 auf 193.000 Geräte ist das eine deutliche Erholung. Für 2026 rechnet der Bundesverband Wärmepumpe im Business-as-usual-Szenario mit rund 330.000 Anlagen, im ambitionierten Szenario mit rund 403.000; als Unsicherheitsfaktor benennt er ausdrücklich das GModG12. Im ersten Quartal 2026 kamen 83.500 Geräte hinzu, ein Zuwachs von 34 Prozent, womit die Wärmepumpe mit 48,7 Prozent Marktanteil erstmals auch in einem ersten Quartal vor der Gasheizung lag13.

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude wurde zum 21. Juli 2026 reformiert. Der Förderdeckel sinkt von 30.000 auf 28.000 Euro und danach halbjährlich um weitere 750 Euro, der Klimageschwindigkeitsbonus wird gestreckt und schrittweise abgesenkt10.

8. Netze und Effizienz: die stillste Minderung

Die Elektrifizierung von Wärme, Verkehr und Industrie verlagert Verbrauch in das Stromnetz. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung beziffert den Investitionsbedarf bis 2045 auf rund 651 Milliarden Euro, davon 328 Milliarden für die Übertragungs- und 323 Milliarden für die Verteilnetze14. Die Schätzung stammt aus dem Jahr 2024 und ist als Größenordnung zu lesen.

Damit bekommt Effizienz einen doppelten Wert. Jede Kilowattstunde, die nicht gebraucht wird, muss weder erzeugt noch transportiert werden, senkt also Emissionen und Infrastrukturaufwand zugleich. Das Energieeffizienzgesetz hält in § 4 fest, dass die Bundesregierung den Endenergieverbrauch bis 2045 gegenüber 2008 um 45 Prozent senken will15. Auf der Betriebsebene kommen Lastverschiebung, steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG, dynamische Tarife und der Smart-Meter-Rollout hinzu. Das Global Footprint Network führt intelligente Zähler und dynamische Preise als eigenen Lösungsbaustein16. Ihre Wirkung liegt weniger in der eingesparten Kilowattstunde als in der vermiedenen Spitzenlast.

9. Grenzen der Kennzahl

Der Earth Overshoot Day ist als Kommunikationsinstrument gebaut, mit wissenschaftlichem Unterbau, aber ohne Steuerungsfunktion. Die jährliche Bewegung wird von Datenrevisionen dominiert; wer daraus eine Erfolgsmeldung ableitet, fehlinterpretiert. Die Methodik rechnet außerdem alles in globale Hektar um, was Vergleichbarkeit erzeugt, aber die Unterscheidung zwischen Belastungsarten verliert. Am schwächsten ist die Datenbasis beim Handel: Das Global Footprint Network schließt für 2026 achtzehn namentlich genannte Länder und einige kleinere aus, darunter die Niederlande und Norwegen, weil hohe Handelsströme die Ergebnisse verrauschen2.

Dem steht ein praktischer Wert gegenüber. Die Kennzahl übersetzt ein abstraktes Bilanzproblem in ein kommunizierbares Datum und ordnet Maßnahmen nach ihrer Größenordnung. Für die Energiewirtschaft ist vor allem die Reihenfolge interessant: Die Dekarbonisierung der Energieversorgung steht in der Wirkungsrechnung weit vor Verhaltensänderungen im Konsum1.

An dieser Stelle endet die Kennzahl und beginnt eine offene Frage. Das Global Footprint Network verlangt von Unternehmen, die sich als regenerativ oder zirkulär bezeichnen, den Nachweis einer tatsächlichen Overshoot-Minderung1. Womit dieser Nachweis geführt wird, lässt die Kennzahl offen.  Wie sich ein solcher Ansatz für Energieversorger praktikabel führen lässt, ist eine eigene Diskussion und einen eigenen Beitrag wert, welcher bald folgt.

Dennoch gibt es bereits Konzepte wie die Gemeinwohlökonomie (GWÖ) und die VS, welche dort ansetzen, und wir hier gerne kurz erläutern:

  • Die GWÖ stellt der finanziellen Rechnungslegung eine zweite Bilanz zur Seite, die unternehmerisches Handeln an gesellschaftlichen und ökologischen Zielen misst statt an der Rendite.
  • Näher am Berichtsalltag liegt der freiwillige Nachhaltigkeitsstandard für KMU (VS), der die relevanten Umweltkennzahlen – einschließlich Energieverbrauch und Emissionen aus Wärme und Kälte – in ein vergleichbares Format bringt, ohne dass eine Berichtspflicht vorliegen muss. Für Wärmeversorger und Wohnungswirtschaft ist das der Anschlusspunkt: Wer die Anteile erneuerbarer Wärme und den Sanierungsstand dokumentiert, liefert bereits die Datenbasis, die ein VS-Bericht strukturiert abfragt.   

Mit der EmpCo-Richtlinie der Europäischen Union erhält die Frage nach dem Nachweis zusätzlich eine rechtliche Dimension. Unternehmen dürfen ökologische Aussagen künftig nur dann verwenden, wenn sie nachvollziehbar belegt werden können. Begriffe wie „klimaneutral“, „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ müssen durch belastbare Nachweise gestützt sein. Der Earth Overshoot Day verdeutlicht zwar die globale Herausforderung – für die Kommunikation von Unternehmen genügt er jedoch nicht als Begründung einzelner Umweltversprechen.

10. Einordnung für die Praxis

Für Stadtwerke und kommunale Versorger verschiebt sich die Arbeit von der Planung in die Umsetzung, allerdings unter veränderten Vorzeichen. Der Wärmeplan liefert weiterhin die Gebietseinteilung, seine ordnungsrechtliche Wirkung ist entfallen. Über Investitionen entscheiden damit stärker als zuvor die erwartbaren Anschlussquoten und die Netzwirtschaftlichkeit.

In der Wohnungswirtschaft und bei größeren Eigentümern verlagert sich die Frage von der Pflicht auf die Wirtschaftlichkeit: Wie summieren sich die Biotreppe nach § 43 GModG und der steigende CO₂-Preis über die Nutzungsdauer einer fossilen Anlage? Für Energieberatung und Weiterbildung bleibt eine Einordnungsaufgabe. Wer den Earth Overshoot Day zitiert, sollte die Aufschlüsselung nach Datenrevision und Realentwicklung mitliefern, und wer den Gebäudesektor bewertet, sollte die Emissionsdaten neben die Kennzahl legen.

Gleichzeitig sollten Unternehmen prüfen, ob ihre Nachhaltigkeitskommunikation den Anforderungen der EmpCo-Richtlinie entspricht und ihr unternehmerisches Handeln glaubwürdig an gesellschaftlichen und ökologischen Zielen statt ausschließlich an der Rendite ausgerichtet ist. Aussagen über Klimawirkung, Energieeffizienz oder Nachhaltigkeit müssen künftig transparent, überprüfbar und nachvollziehbar begründet werden. Für Energieversorger, Stadtwerke und Energieberater wird damit nicht nur die technische Umsetzung der Wärmewende wichtiger, sondern auch eine rechtssichere Kommunikation darüber.

11. Wärmewende gestalten, statt Fristen abzuarbeiten

Der Gebäudesektor verfehlt seine Klimaziele und der Rechtsrahmen ist gerade offener geworden. Beides zusammen verlagert die Verantwortung von der Vorschrift auf die fachliche Entscheidung vor Ort. Wer künftig zu Heizungstausch, Wärmenetzanschluss oder Sanierungsfahrplan berät, begründet seine Empfehlung nicht mehr mit einer Quote, sondern mit Emissionsminderung, Betriebskosten über die Nutzungsdauer und der Anschlussperspektive im Quartier.

Neben technischem und regulatorischem Know-how gewinnt deshalb auch die Kompetenz zur rechtssicheren Nachhaltigkeitskommunikation an Bedeutung. Die EmpCo-Richtlinie verändert die Anforderungen an Marketing, Vertrieb und Kundenkommunikation. Wer Wärmewende erklärt, muss künftig nicht nur fachlich korrekt arbeiten, sondern seine Aussagen auch belastbar belegen können. Campus-EW qualifiziert Fachkräfte aus Versorgern, Energieberatung, Stadtwerken, Kommunen und Wohnungswirtschaft sowohl für die technische Umsetzung der Wärmewende als auch für den sicheren Umgang mit den neuen Anforderungen der EmpCo-Richtlinie.

Quellen anzeigen

Die Autoren

  • Profilbild von unserem Referent Martin Deiters

    Martin Deiters, M.Eng.

    Martin ist geschäftsführender Gesellschafter der TRIVALIS GmbH und Experte für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Nach seinem Masterabschluss im Bereich Maschinenbau und Mechatronik war er zunächst als Projektleiter in der technischen Gebäudeausrüstung tätig. Anschließend baute er ein Energieberatungsteam auf und leitete dieses mehrere Jahre. Als dena-gelisteter Energieeffizienzexperte und Dozent verbindet er umfassende Praxiserfahrung mit fundiertem Fachwissen.

    Thematische Schwerpunkte:
    Beratung für Unternehmen · Energieaudits · Transformationspläne · Abwärmenutzung · Nachhaltigkeit · Förderung · Schulungen zu Energieeffizienz und Nachhaltigkeitsthemen

  • Professor lächelt während einer Vorlesung an der Campus-EW.

    Armin Schmelzle

    Armin Schmelzle ist selbstständiger Unternehmensberater, zertifizierter GWÖ-Berater und Auditor sowie Certified CSR-Expert. Er verfügt über langjährige Führungserfahrung und begleitet Organisationen bei nachhaltiger, werteorientierter Entwicklung.

    Thematische Schwerpunkte:
    Organisations- und Strategieentwicklung · Gemeinwohl-Bilanz · Nachhaltigkeit · Werteorientierte Unternehmensentwicklung · CSR

  • Mann in formeller Kleidung vor rotem Hintergrund, lächelnd.

    Dr. Richard Schieferdecker

    Dr. Richard Schieferdecker ist selbstständiger Unternehmensberater und Lehrbeauftragter an der FH Aachen. Seine Erfahrung verbindet wissenschaftliche Arbeit, Unternehmensführung und die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle.

    Thematische Schwerpunkte:
    Organisationsentwicklung · Geschäftsmodellentwicklung · Werteorientierte Unternehmensentwicklung · Sustainable Entrepreneurship · Gemeinwohl-Bilanz

  • Jonas Niemeyer, Leitung Digital & Business Development

    Jonas Niemeyer

    Leitung IT & Business Development, Campus-EW

    Jonas ist Digitalstratege bei Campus-EW. Er ist ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten Prozesse effizienter zu gestalten oder Neuerungen in der Welt der KI zu verfolgen.

    Thematische Schwerpunkte:

    • Künstliche Intelligenz
    • Geschäftsfeldentwicklung
    • IT & Digitalisierung
    • Wärmeplanung
    • digitale Transformation